Über Dr. Annett Schröter
Annett ist seit der Gründung 1994 bei GICON angestellt und Expertin für Genehmigungsverfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG). Seit 2014 ist sie Geschäftsführerin und leitet die strategischen und operativen Geschäfte neben der Projektarbeit.
Über Christina Maertens
Christina ist seit 2019 bei GICON wo sie Großprojekte im Bereich Genehmigungsverfahren als Projektmanagerin begleitet. Ebenfalls ist sie Nachhaltigkeitsbeauftragte und leitet die strategische Ausrichtung und den Ausbau der internen Nachhaltigkeit.
Über die Episode
In dieser Folge geht es um zentrale Fragen zur Frauenquote, zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie um den Wandel der Unternehmenskultur – und das aus der spannenden Perspektive eines Ingenieurdienstleisters.
Wer sitzt am Tisch?
Georg Wolfgang, Host und Initiator, begrüßt in dieser Folge zwei echte Insiderinnen: Christina Maertens, Business Operations, Projects and Sustainability Managerin, sowie Dr. Annett Schröter, Geschäftsführerin und promovierte Ingenieurin, die bereits seit fast der Gründung im Unternehmen ist.
Beide Frauen bringen verschiedene Blickwinkel aus ihrem Berufsalltag ein, von den Herausforderungen im Ingenieurbereich bis hin zur Entwicklung und Pflege einer offenen Unternehmenskultur.
Einstieg und Vorstellung: Was macht die GICON überhaupt?
Gleich zu Beginn erklärt Christina Maertens den breiten Tätigkeitsbereich der GICON-Gruppe: Ein Ingenieurdienstleister mit vielseitigem Portfolio – „fast alles, was Ingenieure machen können“. Von Bauplanung über Umweltplanung, Vermessung bis hin zu Forschung, mit Projekten wie dem weltweit größten Windrad, sind sie breit aufgestellt und bedienen, was der Markt gerade verlangt.
Frauenanteil: Klischees und Realität im Ingenieursberuf
Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist der Frauenanteil im Unternehmen: Stereotypisch gelten Ingenieure immer noch als Männerdomäne. Dr. Annett Schröter bricht dieses Klischee direkt auf: Schon im Studium in den 80ern war ihr Jahrgang zur Hälfte weiblich. Für sie war Geschlechtervielfalt im technischen Bereich nie ungewohnt – zumindest im Osten Deutschlands.
Nach der Wende wurde es aber schwieriger: Obwohl Frauen fachlich bestens ausgebildet waren, herrschte doch der Gedanke: „Frauen haben im Ingenieurberuf nichts zu suchen.“ Umso bemerkenswerter, dass bei GICON das Thema Qualifikation immer über dem Geschlecht stand. Das zeigt sich auch heute noch in der beeindruckenden Quote: etwa 45% Frauenanteil im gesamten Unternehmen.
Vereinbarkeit und Flexibilität: Wie leben Unternehmen Wandel wirklich?
Christina Maertens und Dr. Annett Schröter teilen ihre Erfahrungen zur Vereinbarkeit – gerade im Arbeitsumfeld. Die Flexibilität, etwa verschiedene Arbeitszeitmodelle zu nutzen, ist bei GICON ganz selbstverständlich. Christina Maertens erzählt von ihrer eigenen Elternzeit, in der sie verschiedene Modelle – von 0 auf 5, 10, 20, 30 Stunden und zurück auf Vollzeit – flexibel erleben durfte. Das gibt Raum, das eigene Lebensmodell der aktuellen Situation anzupassen.
Gleichzeitig fordert dies Eigenverantwortung beider Seiten: Die Mitarbeitenden müssen ihre Grenzen kennen und kommunizieren, Arbeitgeber brauchen Offenheit und Verständnis für individuelle Lebenslagen – sei es Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen. Dieses Modell funktioniert nur auf Basis gegenseitigem Vertrauen.
Besonders während der Corona-Zeit wurde klar, wie wichtig es ist, Aufgaben auch mal abends oder außerhalb klassischer Bürozeiten zu erledigen. Entscheidend sei, dass die Arbeit zuverlässig erledigt wird – wann, ist zweitrangig. Das Unternehmen muss den Rahmen, die Kultur und die Erlaubnis geben – sonst bleibt Flexibilität Theorie.
Unternehmenskultur: Zwischen Haltung und gelebter Praxis
Die Episode dreht sich stark um das Thema Unternehmenskultur. Wie entsteht eine Atmosphäre, in der Vielfalt und Vereinbarkeit nicht nur gewünscht, sondern gelebt wird? Dr. Annett Schröter und Christina Maertens stimmen überein: Es ist der Mix aus Offenheit, gelebten Werten und Führungsvorbild. Bei GICON lautet die Devise: Kompetenz zählt, nicht das Geschlecht oder die Herkunft.
Spannend ist, dass die Führungsriege von Beginn an weibliche Rollen beinhaltete und so ein breites, inklusives Bild geprägt wurde. Die Unternehmenskultur ist hier nicht das Ergebnis einer internen Richtlinie, sondern stetiger Entwicklung.
Bei Neueinstellungen zählt, „wer am besten passt“ – und das ist bewusst nicht auf das Geschlecht oder die Herkunft beschränkt. Die Vielfalt reicht von Frauen in Führungspositionen bis zu internationalen Kolleg:innen.
Sichtbarkeit, Vorbilder und Empowerment
Ein wichtiger Aspekt: Sichtbarkeit von Frauen in der Firma ist nicht bloße Inszenierung. Viele nehmen ihre Rolle nicht direkt als Vorbild wahr, sind aber trotzdem prägend für die nächste Generation. Auch „stille“ Vorbilder beeinflussen junge Frauen und geben ihnen Mut – von der frischen Absolventin bis zur erfahrenen Fachkraft.
Christina Maertens beschreibt hier die Herausforderung, sowohl selbstbewusste als auch zurückhaltenere Frauen zu fördern und ihnen Selbstvertrauen mitzugeben. Das stärkt nicht nur das Einzelne, sondern das Team und letztlich das gesamte Unternehmen.
Kommunikation als Schlüssel: Der menschliche Faktor
Die Gesprächskultur ist bei GICON geprägt vom Bewusstsein, dass alle nur Menschen sind – mit Fehlern, Vorurteilen und individuellen Bedürfnissen. Es wird wert auf eine offene Ansprache gelegt: Wer etwa um 14 Uhr geht, weil die Kita ruft, bekommt keinen abschätzigen Spruch, sondern einen freundlichen Feierabendgruß.
Hier zeigt sich, wie wichtig es ist, Kommunikation bewusst zu gestalten. Das Unternehmen legt Wert darauf, dass Mitarbeitende auch schwierige Lebensphasen transparent machen dürfen und gemeinsame Lösungen gesucht werden. Es geht um Wertschätzung, nicht um die Kontrolle – und um das Verständnis, dass Beruf und Privatleben sich phasenweise verschieben können.
Allyship & Diversität: Mehr als Frauenförderung
Die Folge macht deutlich: Es geht bei Vielfalt und Vereinbarkeit nicht nur um Frauen. Auch Männer werden ermutigt, Elternzeit zu nehmen, in Teilzeit zu arbeiten, Schwäche zu zeigen oder weniger klassische Rollen zu leben. Die Kultur soll ausdrücklich Raum für alle schaffen – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft.
Das Thema Allyship, also Verbündete für Gleichberechtigung und Diversität zu sein, wird besonders von Georg Wolfgang betont. Ein Unternehmen kann dabei die nötigen Kontexte und Räume schaffen, damit Mitarbeitende für andere eintreten und Missstände offen thematisieren können. Zivilcourage im Alltag, faires Miteinander und gegenseitige Unterstützung sind zentrale Bestandteile einer zukunftsfähigen Unternehmenskultur.
Altersdiversität und gegenseitiges Lernen
Ein weiteres Thema ist das Alter und die damit verbundene Lebenserfahrung. Um komplexe Projekte erfolgreich umzusetzen, braucht es sowohl die Dynamik und Kreativität der jungen Generation als auch die Ruhe und das Wissen der erfahrenen Kolleg:innen. Gemischte Teams – nicht nur nach Geschlecht, sondern auch nach Alter – sind laut den Gästen unabdingbar für nachhaltigen Erfolg und Innovation.
Fehlerkultur und Offenheit: Weg vom Perfektionismus
Das Gespräch landet auch bei der Fehlerkultur. Fehler werden nicht abgestraft, sondern konstruktiv aufgearbeitet. Es wird akzeptiert, dass schlechte Tage dazugehören, Leistung nicht immer konstant sein kann und Mitarbeitende keine perfekte Fassade zeigen müssen. Das ist für Dr. Annett Schröter wie auch für Christina Maertens zentral: Offenheit fördert Vertrauen, Motivation und den Zusammenhalt.
Aber: Kommunikation ist keine Einbahnstraße. Auch von Mitarbeitenden wird verlangt, den Mund aufzumachen, wenn es Probleme gibt, und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Ostdeutsche Prägung: Historische Entwicklung als Stärke
Interessant ist der Rückblick von Dr. Annett Schröter auf die ostdeutsche Prägung. Schon zu DDR-Zeiten war Geschlechtervielfalt im technischen Bereich normaler als im Westen. Die Offenheit des Gründers und die Haltung, Qualifikation zählt, hat den Grundstein für die heutige Kultur gelegt. Erfahrungsberichte zeigen, wie sich die gesellschaftlichen Einstellungen und damit die Unternehmenskultur in den letzten 30 Jahren gewandelt haben – und dass diese Entwicklung mühsam war, aber sehr lohnend.
Ausblick und Gesellschaft: Noch viel zu tun
Am Ende der Folge wird deutlich: Das Beispiel GICON ist zwar wegweisend, aber gesellschaftlich und in vielen Unternehmen gibt es noch Nachholbedarf. Die Tradierung von Rollenbildern, unausgewogene Carearbeit und stereotype Denkmuster bestehen weiterhin.
Es braucht langfristig offene Kommunikation, gegenseitige Wertschätzung und bewusst gelebte Diversität – auch und gerade bei Männern in moderner Arbeitsteilung.
Georg Wolfgang bringt es auf den Punkt: Es geht nicht um Perfektion, sondern darum, täglich daran zu arbeiten, ein Stück besser zu werden und ein menschenorientiertes, kompetenzbasiertes Klima zu etablieren. Mixed Teams sind nachweislich erfolgreicher – und eine offene, flexible Unternehmenskultur macht aus Einzelkämpfern starke Teams.
Fazit: Die GICON als positives Beispiel
Die Folge zeigt, dass Vereinbarkeit, Diversität und eine wertschätzende Kommunikationskultur nicht bloße Schlagworte sein müssen, sondern in der Praxis gelebt werden können. Die GICON-Gruppe beweist, dass sich aus einer Haltung heraus, die den Menschen ins Zentrum stellt und Kompetenzen fördert, eine nachhaltige, erfolgreiche und verantwortungsvolle Unternehmenskultur entwickeln lässt.
Das ist nicht immer einfach und läuft auch bei GICON nicht perfekt – aber das Ziel ist klar: Menschen stärken, Potenziale entfalten, Vielfalt leben und den Alltag gemeinsam gestalten. Wer die Folge gehört hat, versteht, warum das mehr ist als eine Managementstrategie – sondern der Kern eines modernen Unternehmens.
Zurück zu den Wurzeln – und immer wieder nach vorn: Bei GICON ist die Vielfalt angekommen, wird gepflegt und weiterentwickelt. Ein Weg, den viele Unternehmen noch gehen wollen und müssen. Wer Inspiration sucht, findet in diesem CULTiTALK viele Impulse für ein besseres Miteinander – im Unternehmen und darüber hinaus.
Alle Links zu Christina Maertens:
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/christinamaertens/
Unternehmen: http://www.gicon.de
Alle Links zu Dr. Annett Schröter:
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/annett-schr%C3%B6ter-a4471b2a7/
Unternehmen: http://www.gicon.de