Über Carolina Heinke
Carolina Heinke ist Arbeits- und Organisationspsychologin.
Sie verbindet Positive Psychologie mit moderner Organisationsarbeit und zeigt Unternehmen, wie gelingendes Arbeiten und positive Unternehmenskultur entstehen – dort, wo Menschen sowohl wirksam sein können als auch zufrieden sind.
Ihre Haltung: Performance und Zufriedenheit sind kein Widerspruch. Sie sind zwei Seiten derselben Kultur. Caro unterstützt Organisationen dabei, genau diese Verknüpfung wissenschaftlich fundiert und alltagsnah zu gestalten.
Über die Episode
Die zweite CULTiTALK-Aufnahme des Jahres 2026 startet mit einem offenen und persönlichen Gespräch zwischen Georg Wolfgang und Carolina Heinke, das sich um das große Thema positive Unternehmenskultur dreht. Schon zu Beginn merkt man: Die beiden haben eine besondere Verbindung, die im Vorgespräch entstanden ist – geprägt von Offenheit, Verletzlichkeit und Mut zur persönlichen Geschichte. In diesem ausführlichen Talk ist weniger knallhartes Business als vielmehr der Mensch im Mittelpunkt, denn wie Carolina Heinke sagt: „Arbeitszeit ist geteilte Lebenszeit.“
Wer ist Caro? Und was treibt sie an?
Carolina Heinke stellt sich vor als Arbeits- und Organisationspsychologin, Gründerin von Cultural Hire und leidenschaftliche Verfechterin einer Unternehmenskultur, die mehr kann als nur Performance und Produktivität erzeugen. Ihr Ziel: Menschen sollen nicht nur auf den Freitag warten, sondern auch Lust auf den Montag bekommen. Sie spricht von Ratio, Sinnhaftigkeit und dem „Rahmen“, den Kultur im Unternehmen bildet, und betont, wie stark Zufriedenheit als „Turbo-Booster“ für Leistung wirkt. Dabei will sie weg von der typisch deutschen Defizitorientierung hin zu einem stärkeren Bewusstsein für Ressourcen: Was habe ich, statt was fehlt mir?
Persönliche Einblicke und positive Psychologie
Der Talk wird sehr persönlich: Carolina Heinke erzählt von ihrem schwerstbehinderten Bruder und wie das ihre Fähigkeit zur Empathie und Körpersprache gestärkt hat. Sie beschreibt, wie sie gelernt hat, aus schwierigen Situationen Stärke und eine besondere Fähigkeit für ihren Beruf zu ziehen. Georg Wolfgang teilt, dass seine Tochter Lotta schwer mehrfach behindert ist – beide sprechen offen darüber, dass Positivität nichts damit zu tun hat, schwierige Schicksale schönzureden. Es geht viel mehr um Akzeptanz, Umgang und die Fähigkeit, das „Lerngeschenk“ aus Herausforderungen mitzunehmen. Resilienz entsteht genau dort, wo Akzeptanz nicht gleichbedeutend ist mit Aufgeben, sondern mit der aktiven Entscheidung, wie man mit Krisen umgeht.
Diese Offenheit sorgt bei beiden dafür, dass sie den Begriff „positive Unternehmenskultur“ nicht als Happy-Clappy, sondern als tiefes Prinzip verstehen: Positivität bedeutet nicht, alles gut finden zu müssen. Vielmehr geht es darum, unter widrigen Umständen gestalterisch zu bleiben, einen Sinn im eigenen Tun zu finden und Verantwortung für die eigene Haltung zu übernehmen.
Vergleichen, Social Media und Dankbarkeit
Ein weiterer großer Punkt ist der gesellschaftliche Druck, den Social Media und ständiger Vergleich erzeugt. Carolina Heinke plädiert für mehr Dankbarkeit und einen anderen Fokus: Nicht die Fülle an negativen Informationen soll unsere Wahrnehmung bestimmen, sondern der bewusste Blick auf das, was vorhanden ist. Denn nur dann entsteht der Mut, Eigenverantwortung zu übernehmen und das eigene Glück zumindest teilweise selbst zu „gestalten“.
Die Rolle der Selbstverantwortung und Teamkultur
Beide sprechen intensiv über das Thema geteilte Verantwortung: Unternehmenskultur entsteht nicht nur durch Managemententscheidungen oder Führungskräfte – sie ist ein Zusammenspiel unterschiedlicher Rollen und Persönlichkeiten. Carolina Heinke bringt die schöne Metapher der Diskokugel: Jeder trägt eine Diskokugel auf dem Kopf, bestehend aus vielen kleinen Spiegeln, die das Licht – sprich, die eigene Energie und das, was man einbringen kann – reflektieren. Wird ein Spiegel trüb, strahlt weniger Licht, wenn mehrere Menschen mit „dunklen“ Diskokugeln zusammenkommen, wird die Unternehmenskultur insgesamt schlechter. Verantwortung bedeutet also nicht nur, die eigene Kugel zu polieren, sondern auch das Bewusstsein zu schaffen, wie viel man zur gemeinsamen Kultur beitragen kann.
Aktion und Reaktion
Der Talk dreht sich auch um die Banalität und dennoch zentrale Bedeutung von Aktion und Reaktion. Wer einen anderen Effekt im Miteinander haben will, muss selbst aktiv etwas verändern. Für Carolina Heinke ist es im Alltag wichtig, zu wissen, dass zwei Drittel aller Menschen ihre eigenen Stärken nicht kennen – und gerade das ist ein zentraler Ansatzpunkt für jede Form von Entwicklung, ob im Team, Unternehmen oder privat.
Kultur gestalten heißt, die eigene Rolle auszufüllen
Im Verlauf des Gesprächs wird klar: Unternehmenskultur und Teamkultur kann nicht als externe Maßnahme, als „Projekt“ verstanden werden, sondern als ständiger Prozess, der jeden Tag aufs Neue passiert und gestaltet werden muss. Für Georg Wolfgang ist klar: Wer in einer Führungskraftrolle keine Zeit dafür hat, das Team mitzugestalten, der hat das Prinzip von Führung nicht verstanden. Die Kontinuität und Regelmäßigkeit, sich zu reflektieren und gemeinsam nachzujustieren, ist ein Must-have und keine Kür – unabhängig davon, ob es um klassische Trainings oder schlicht um bewusste Alltagskommunikation geht.
Performance und Anstrengung: Die große Verwechslung
Einer der zentralen Diskussionspunkte ist das gesellschaftliche Missverständnis zwischen Anstrengung und Leistung. Noch immer dominiert in Deutschland die Vorstellung, dass harte Arbeit und wenig Freude Zeichen dafür sind, dass man sich „wirklich angestrengt“ hat und daher leistungsfähig ist. Georg Wolfgang bringt es mit Fußballmetaphern zum Ausdruck: Nicht derjenige, der nach einer Niederlage am Boden zerstört ist, hat den größten Einsatz gezeigt, sondern vielleicht derjenige, der trotzdem menschlich mit anderen umgeht und offen bleibt.
Carolina Heinke erzählt, wie sie selbst als Babysitterin einen „schönen Abend“ hatte – und sich fast schlecht fühlte, dafür Geld zu nehmen, weil Arbeit doch eigentlich anstrengend und unangenehm zu sein hätte. Sie macht klar: Hart heißt nicht immer gut und oft ist das Gegenteil der Fall – echte Leistung entsteht, wenn Zufriedenheit und Sinnhaftigkeit im eigenen Tun gefunden werden. Die Sinnhaftigkeit ist für sie der Dreh- und Angelpunkt von Leistung, Performance und positiver Entwicklung. Symptombehandlung – wie ein kurzfristiger Workshop oder ein Kick-Off – kann temporär helfen, aber nachhaltige Veränderung braucht den „Ursachenblick“ und ist immer ein Prozess.
Anfangen und Durchhalten – Kultur ist kein Endprodukt
Viele Unternehmen machen heute „Kulturprojekte“, holen Menschen aus diversen Abteilungen zusammen und erwarten, dass sie die gesamte Unternehmenstransformation stemmen können. Für Carolina Heinke: Das funktioniert nicht nachhaltig, wenn es nicht von Managementlevel verstanden und unterstützt wird und als täglicher Prozess gesehen wird, nicht als Projekt mit festem Enddatum. Kultur ist, wie sie sagt, ein lebenslanger Prozess, solange das Unternehmen existiert.
Der Anteil der Führungskraft – keine Ausreden
Ein weiterer Schwerpunkt: Führungskräfte sind keine Positionen, sondern Rollen. Die Wirkung, die sie auf Teams und das gesamte System haben, sollte ihnen bewusst sein. Je mehr Einfluss und Strahlkraft, desto mehr Verantwortung, den eigenen „Diskokugel-Spiegel“ sauber zu halten und das Team immer wieder zu motivieren, selbst aktiv zu werden, Feedback zu geben und gemeinsam zu reflektieren. Es geht nicht darum, perfekt zu sein oder immer alles richtig zu machen, sondern ehrlich und menschlich mit sich selbst und den anderen umzugehen. Nur dann können die Prozesse, Räume und Entwicklungschancen entstehen, die wirklich Veränderung bringen.
Raum für Entwicklung und persönliche Geschichten
Immer wieder öffnet Georg Wolfgang Räume für persönliche Geschichten, die zeigen: Auch im Podcast sollte man nicht nur theoretisch bleiben, sondern offen für Verletzlichkeit, neue Perspektiven und den Mut, Konflikte anzusprechen. Nur dann kann man den Kern von Kultur erfassen und die ganze Verbindung von Selbstbewusstsein, Dankbarkeit, Sinnhaftigkeit und Performance spürbar machen.
Fazit
Am Ende wird deutlich: Wer wirklich an der Kultur und positiven Performance arbeiten will, muss bereit sein, immer wieder klein anzufangen, sich auch durch Rückschläge nicht entmutigen zu lassen und den Ursachen auf den Grund zu gehen. Positive Zusammenarbeit, Führung und Teamkultur sind kein Gegenkonstrukt zur Leistung, sondern das Vehikel für eine richtig gute Zeit – beruflich wie privat. Zufriedenheit, Freude und Sinnhaftigkeit sind keine luxuriösen Zusätze, sondern die Grundlage für Performance und nachhaltige Veränderung. Die Aufgabe ist, sich selbst zu kennen, Verantwortung zu übernehmen und die Räume für sich und andere zu öffnen.
Der Podcast liefert viele praktische Metaphern, ehrliche Geschichten und wissenschaftlich fundiertes Wissen – verpackt in einen Dialog, der in Tiefe und Menschlichkeit überzeugt. Für alle, die Unternehmenskultur nicht als ein weiteres Projekt, sondern als täglichen Prozess verstehen wollen, ist diese Folge ein Muss.
Alle Links zu Carolina Heinke:
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/carolinaheinke/
Unternehmen: www.culturalhire.com