Über Barbara Benninger

Als Head of People & Performance bei valantic gestaltet Barbara Benninger Arbeitswelten, die Menschen langfristig leistungsfähig machen, Resilienz stärken und Vielfalt aktiv fördern. Ihr Fokus liegt darauf, Unternehmenskulturen zu entwickeln, die modernes Arbeiten und nachhaltigen Erfolg ermöglichen. Sie ist überzeugt: Erfolgreiche Arbeitswelten entstehen dann, wenn die Bedürfnisse der Menschen im Einklang mit den Zielen der Organisation stehen. Themen wie Resilienz und Burnout-Prävention sind für sie nicht nur beruflich, sondern auch persönlich von großer Bedeutung und prägen ihre Arbeit mit einem klaren Fokus auf wirksame, nachhaltige Ansätze. Privat findet sie Ausgleich in den Bergen – beim Klettern, Biken, Skifahren oder auf Hochtouren. Kürzlich hat sie ein Buch veröffentlicht*, in dem sie ihre Erfahrungen rund um Burnout, Resilienz und Stressmanagement teilt. Was sie antreibt, ist Freiheit, Unabhängigkeit und die Freude daran, immer wieder Neues zu entdecken.

*Buch wird zum Zeitpunkt der Podcastveröffentlichung veröffentlicht sein

Über die Episode

In dieser besonderen Folge des CULTiTALK begrüßt Georg vom Culturizer die Schweizerin Barbara Benninger. Gemeinsam tauchen die beiden in die Themen Resilienz, gesunde Leistungskultur, persönliche und organisationale Entwicklung sowie die Bedeutung von Kulturarbeit ein – mit vielen Einblicken in Barbaras beruflichen Werdegang und ihrer bewegenden, ganz persönlichen Geschichte.

Einstieg und Vorstellung

Zu Beginn stellt Georg seine Gesprächspartnerin vor: Barbara Benninger ist Head of People and Performance beim Beratungsunternehmen valantic. Sie ist zudem frisch gebackene Autorin des Buches „Vom Tiefpunkt zur Balance“, das ihre eigene Geschichte mit Burnout und Essstörungen thematisiert und gleichzeitig als Ratgeber für mehr mentale Gesundheit und Resilienz in der Arbeitswelt dient. Gleich zu Beginn machen die beiden deutlich: Im Zentrum stehen nicht nur analytische Perspektiven auf gesunde Leistungsfähigkeit und Kultur, sondern auch Barbaras persönliche Erfahrungen, die sie offen und reflektiert teilt.

Barbara Benninger schildert, dass sie ursprünglich im Marketing gestartet ist, schon lange für valantic arbeitet und seit etwa eineinhalb Jahren ihren Schwerpunkt im strategischen Personalbereich hat. Die Nähe von HR und Employer Branding zum Thema Unternehmenskultur ist für sie eine Herzensangelegenheit.

Der Weg zum Buch: Persönliche Erfahrungen mit Burnout

Der Einstieg in Barbaras Erzählung ist der Prozess, der sie schließlich zur Veröffentlichung ihres autobiografischen Buches geführt hat. Schon als Kind hat sie davon geträumt, Autorin zu werden, doch wie so oft fehlte im Alltag der richtige Anlass. Erst ein Coaching – und die ermutigenden Worte ihrer Coachin, diesen Traum endlich umzusetzen – brachten sie dazu, ihr Buchprojekt tatsächlich zu beginnen.

Im Buch erzählt sie offen, wie sie über viele Jahre hinweg Essstörungen hatte, einen Burnout erlitt und letztlich in einer Klinik neue Stabilität finden musste. Während sie als Kind für Eltern und Freunde immer kleine Magazine verfasste, ist dieses Buch ein Projekt, das sie aus einem ganz elementaren Bedürfnis begonnen hat: Sie selbst hätte sich in ihrer schwersten Zeit einen Erfahrungsbericht gewünscht, der das Leben mit Burnout und Essstörungen ehrlich zeigt und mit Vorurteilen aufräumt. Sie beschreibt daher nicht nur ihre eigene Gefühlslage, sondern erklärt im Detail, wie der Alltag in einer Klinik aussieht, welche therapeutischen Maßnahmen helfen können und warum Unterstützung so wichtig ist.

Ein weiteres Anliegen ist es ihr, die enormen Vorurteile gegenüber psychischer Krankheit und Klinikaufenthalt zu entkräften und zu verdeutlichen, dass ein Aufenthalt in der Klinik nicht „Versagen“, sondern ein notwendiger Weg ist, um wieder zu sich zu finden.

Das Stigma psychischer Erkrankungen

Georg und Barbara staunen gemeinsam über den noch immer verbreiteten gesellschaftlichen Umgang mit psychischen Belastungen. Während in den letzten Jahren mehr darüber gesprochen wird, ist das Thema im Vergleich zu physischen Erkrankungen immer noch stark stigmatisiert. Beide stellen heraus, wie schwierig es ist, im Arbeitskontext Schwächen zu zeigen oder sich Hilfe zu holen.

Barbara Benninger verdeutlicht, dass es gerade im beruflichen Umfeld nach wie vor eine große Hürde ist, psychisches Unwohlsein anzusprechen. Während ein gebrochenes Bein sofort akzeptiert wird, wird psychische Überforderung oft abgetan oder gar als Schwäche ausgelegt. Sie plädiert dafür, dass Hilfe anzunehmen Zeichen von Stärke ist – ein Umdenken, das Zeit braucht, aber im beruflichen Alltag mehr und mehr Platz findet.

Ein weiteres Problem beschreibt Georg anhand seiner eigenen Erfahrung mit Long Covid: Während körperliche Krankheiten oft sichtbar sind, fällt es dem Umfeld schwer, psychische Erkrankungen „ernst“ zu nehmen, wenn sie äußerlich nicht zu erkennen sind. Genau hier, so das Fazit der beiden, braucht es mehr Offenheit und Wissen – und Menschen wie Barbara, die ihre Geschichte teilen.

Zwischen Zuhören und Ignorieren: Was hilft wirklich?

Ein wichtiger Punkt in Barbaras Erfahrung ist die Reaktion des Umfelds. Sie betont, dass Zuhören und Verständnis oft viel wichtiger sind als gut gemeinte Tipps. Sie selbst fand es in schwierigen Phasen entlastend, wenn Familie und Freunde einfach mal von sich erzählt haben, anstatt immer wieder nach dem eigenen Befinden zu fragen. Abstand vom eigenen Grübeln kann erholsamer sein als das x-te analysierende Gespräch. Das Erleben von „Normalität“ im Umgang ist mindestens genauso hilfreich wie tiefe Reflexion.

Der Weg aus dem Burnout: Akzeptanz und professionelle Hilfe

Barbara beschreibt eindringlich, wie der Weg ins Burnout ein schleichender Prozess war. Die Überforderung baute sich auf, sie führte ein elfköpfiges Team, war leistungsorientiert, hielt aber nach außen die Fassade aufrecht – bis zu jenem Tag, an dem sie emotional abgestumpft auf einem Gipfel stand und selbst Suizidgedanken hatte. Erst die tiefe Erschöpfung, die Unfähigkeit, weiterzuarbeiten (körperlich und mental), brachte sie dazu, sich Hilfe zu holen. Ein wichtiger Schritt war die Einsicht, dass punktuelle Unterstützung wie Einzeltherapie nicht genug war, sondern ein stationärer Aufenthalt in der Klinik notwendig wurde – eine zunächst schmerzhafte, am Ende aber sehr richtige Entscheidung.

Für andere, die erste Anzeichen spüren, empfiehlt sie, früh ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich nicht zu scheuen, auch ihr Umfeld um Unterstützung zu bitten, z. B. gemeinsam zum Hausarzt zu gehen.

Burnout-Prävention: Reflexion, Werte und Selbstmanagement

Im weiteren Gespräch gehen die beiden auf die Frage nach Prävention ein. Barbara betont, wie wichtig es ist, die eigenen Muster, Gedanken und Prägungen zu erkennen. Besonders oft wirken frühe Glaubenssätze nach („Ich darf niemandem zur Last fallen“). Effektive Prävention bedeutet daher, regelmäßig zu reflektieren: Was beschäftigt mich gerade? Was sind tatsächliche Belastungen, was Dramen im Kopf? Welche Werte leiten mich und wo lebe ich vielleicht entgegen dieser Werte? Barbara Benninger arbeitet gerne mit Mindmaps, schreibt ihre Gedanken auf und prüft, welche Dinge sie getrost weglassen kann, um Überlastung zu vermeiden.

Georg ergänzt, dass Selbstreflexion oft unterschätzt wird – viele machen sie vielleicht einmal im Jahr, tatsächlich sollte sie aber fester Bestandteil des (Arbeits-)Alltags sein. Werkzeuge wie der „Circle of Influence“ helfen bei der Fokussierung auf das eigene Einflussfeld und fördern einen bewussten Umgang mit Belastungen.

Barbara erläutert außerdem, wie wichtig es ist, Trigger (emotionale Auslöser) zu erkennen und zu analysieren, um daraus zu lernen und eigene Muster langfristig transformieren zu können.

Gesunde Leistungskultur und die Rolle von Unternehmen

Ein großes Thema in der Folge ist die Frage, wie „echte“ Leistungskultur in Organisationen aussieht – insbesondere im Unterschied zur klassischen deutschen „Mehrarbeit“-Mentalität. Barbara und Georg sind sich einig: Leistung sollte nicht mit reiner Anwesenheit, übertriebenem Perfektionismus oder noch mehr Aufgaben verwechselt werden, sondern muss an Wertorientierung und Sinnhaftigkeit gemessen werden.

Barbara Benninger beschreibt das Bild vom „Headless Chicken Run“: Leistung ist nicht, so viel wie möglich zu tun, sondern die richtigen Dinge zu tun und echten Wert zu generieren. Das heißt auch, sich zu fragen, ob die eigenen Aufgaben wirklich auf Ziele, Kundennutzen oder Werte einzahlen. Sie plädiert für einen bewussten Umgang mit Ressourcen – besonders in Projektorganisationen, wo Kundenorientierung zentral ist.

Beide sprechen sich zudem gegen „Fake Work“ aus – sprich: Tätigkeiten, die nur gemacht werden, weil sie kulturell gelernt oder gewohnt sind, aber keinen Mehrwert stiften (beispielsweise endlose Meetings oder Perfektionismus für Vorstandsfolien, die niemand braucht).

Kulturarbeit konkret: Von Werten zu Verbindlichkeit

Im zweiten Teil des Gesprächs schildert Barbara anschaulich, wie bei valantic Kulturarbeit aktiv betrieben wird. Als stark gewachsenes Unternehmen hat man 2016 einen „Culture Guide“ mit Mitarbeiterbefragungen entwickelt, in dem zentrale Prinzipien und Werte wie Vertrauen, Partnerschaft und Verlässlichkeit verankert sind. Doch damit wurden die Werte nicht einfach zementiert, sondern regelmäßig reflektiert und durch Workshops weiterentwickelt.

Spannend ist dabei die Frage nach Verbindlichkeit: Was passiert eigentlich, wenn jemand die Werte nicht lebt? Wie können Feedback und Kommunikation als zentrale kulturelle Werkzeuge aller Mitarbeitenden gestärkt werden? Barbara berichtet von Rollenspielen, Workshops und der Visualisierung der Werte im Büro, um sie tagtäglich lebendig zu halten – immer im Dialog und auf Basis von offenem Feedback.

Eine wichtige Erkenntnis: Werte sind nie statisch. Sie sind Leitlinien für Reflexion, müssen situativ interpretiert und immer wieder angepasst werden. Neue Mitarbeitende bringen wertvolle Außenperspektiven, die aktiv gesucht und genutzt werden sollten, um blinde Flecken aufzudecken und die Kultur weiterzuentwickeln.

Ambition, Grenzen und Leadership

Gegen Ende des Gesprächs geht es noch um Ambition und Konsequenz: Kann hohe Leistungsorientierung gesund sein? Ja, wenn sie mit Reflexionsfähigkeit, klaren Prioritäten, Fehler- und Lernbereitschaft und – gerade bei wachsender Geschwindigkeit und Veränderung – dem Bewusstsein für den eigenen Wert und für das, worauf es wirklich ankommt, verbunden ist.

Für die Zukunft sieht Barbara Benninger unter anderem das Thema Leadership-Entwicklung und den Umgang mit AI als zentrale Herausforderungen – immer mit Blick darauf, wie die Menschen mitgenommen werden, wie Führung angepasst und die Kultur weiterhin authentisch und leistungsfähig gestaltet werden kann.

Fazit

Die Folge vereint Reflexion über persönliche und kollektive Resilienz, zeigt den Wert echter gelebter Unternehmenskultur und macht Mut, sich mit Schwächen offen zu zeigen, kontinuierlich zu hinterfragen und gemeinsam eine zukunftsfähige Organisation zu gestalten. Barbara inspiriert durch ihre Offenheit und praktische Ansätze – für mehr Menschlichkeit in der Arbeit, echte Leistungsorientierung und eine Kultur, die Entwicklungen unterstützt statt behindert.

Wer mehr von Barbara Benninger erfahren möchte, kann ihr auf LinkedIn folgen oder ihr Buch lesen – ein Gewinn für alle, die über den Tellerrand klassischer HR- oder Leistungskulturthemen hinausschauen wollen.