Über Carolin Unger

Carolin Unger ist Leiterin Group People and Culture der HERMES Group. Ihr Fokus liegt auf den Themen Leadership, Unternehmenskultur und strategische Personalarbeit. Sie beschäftigt sich besonders mit der Frage, wie Unternehmen Rahmenbedingungen schaffen können, damit Menschen ihr Potenzial entfalten und Organisationen nachhaltig erfolgreich bleiben.

Über diese Folge

In dieser Folge begrüßt Georg die leidenschaftliche HR-Expertin Carolin Unger, die als Leiterin Group People and Culture bei der HERMES Group arbeitet. Ihr Fokus liegt auf Leadership, Unternehmenskultur und strategischer Personalarbeit. Gemeinsam tauchen sie tief in Themen wie Frauen in Führungspositionen, gute Führung und die Bedeutung von Selbstführung ein.

HERMES Group: Zwischen Tradition und Zukunft

Zu Beginn stellt Carolin Unger die HERMES Group vor, ein mittelständisches Pharmaunternehmen mit 1200 Mitarbeitenden, das auf eine über hundertjährige Geschichte zurückblickt und dennoch zukunftsorientiert agiert. Das Besondere: HR ist nicht nur eine klassische Verwaltungseinheit, sondern spielt eine strategische Schlüsselrolle – bei allen wichtigen Entscheidungen sitzt HR mit am Tisch. Es gibt eine übergreifende People-Strategie, die stets eng mit der Unternehmensstrategie verzahnt wird. Menschen, Kultur und Organisation werden bei Hermes als Einheit verstanden und gemeinsam weiterentwickelt.

Ein zentrales Thema ist das Gleichgewicht zwischen Bewahren und Verändern. Carolin Unger und Georg sind sich einig, dass viele Unternehmen oft nur das Neue und die Digitalisierung sehen und dabei unterschätzen, wie wichtig es ist, die erfolgreichen Werte und Strukturen der Vergangenheit gezielt zu erhalten. Entscheidend sei, bewusst zu hinterfragen, was für die Zukunft noch relevant ist und was weiterentwickelt werden sollte.

Frauen in Führung – Erwartungen und Realität

Ein Schwerpunkt der Folge ist die Frage, wie Frauen in Führungspositionen agieren und welche besonderen Erwartungen an sie gestellt werden. Carolin Unger betont, dass weibliche Führung kein eigener, besonderer Führungsstil ist. Vielmehr gehe es darum, dass Frauen andere Erfahrungen als Männer machen – etwa in Bezug auf Sichtbarkeit und die Notwendigkeit, verschiedene Rollen zu vereinbaren. Frauen sind ihrer Meinung nach darauf geprägt, Erwartungen zu managen und sich in bestehenden, oft männlich dominierten Führungskulturen zu positionieren. Auch wenn die Prinzipien guter Führung – Vertrauen, Wertschätzung, Klarheit – für alle Geschlechter gleich gelten, gibt es in der Praxis Unterschiede durch Prägung und Lebenserfahrung.

Carolin Unger wünscht sich, als Führungskraft und nicht über das Geschlecht definiert zu werden. Sie unterstreicht: Es geht um Freude an Verantwortung, Menschenorientierung und den Willen, gemeinsam mit dem Unternehmen zu wachsen und andere erfolgreich zu machen. Im Gespräch wird klar, dass gute Führung unabhängig vom Geschlecht an innerer Haltung, Motivation und der Fähigkeit, Verantwortung für Menschen zu übernehmen, gemessen wird.

Wandel des Führungsverständnisses

Der Wandel des Führungsbildes ist zentrales Thema. Während früher oft die fachlich Besten zu Führungskräften wurden und Menschenführung als „Rucksack“ oben drauf verstanden wurde, sieht Carolin Unger heute die Motivation stärker bei Menschen, die andere entwickeln wollen. Führung ist inzwischen eine eigene Disziplin, deren Stellenwert zugenommen hat. Zudem braucht es Systeme, die Vielfalt und authentische Führung ermöglichen, statt Stereotype zu zementieren. Unternehmen sollten klare Führungsprinzipien definieren und verlangen, dass Führungskräfte diese leben, unabhängig davon, ob jemand extrovertiert auftritt oder leise und fördernd agiert.

Beide Gesprächspartner unterstreichen, dass die Auswahl und Förderung von Führungskräften kein Zufall sein darf. Es komme darauf an, Potenziale zu erkennen und systematisch zu entwickeln – auch dann, wenn nicht sofort der „perfekte“ Kandidat zur Verfügung steht. Begleitung, Coaching und bewusste Einarbeitung spielen dabei die zentrale Rolle.

Die Rolle von HR: Mehr als Verwaltung

Im weiteren Verlauf macht Carolin Unger deutlich, wie essentiell eine strategisch agierende HR für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens ist. Gerade im Mittelstand kann HR durch Nähe zum Geschäft, operative Einbindung und Weitsicht die entscheidenden Weichen stellen. HR ist Moderator zwischen Tradition und Moderne, Koordinator von Veränderungen und Treiber einer Entwicklung hin zu einer Führungskultur, in der Menschen im Mittelpunkt stehen.

Wichtig ist aber auch die Skalierbarkeit der HR-Prozesse – von individuellen Lösungen hin zu robusten, zukunftsfähigen Systemen. Dieses Spannungsfeld zwischen Individualisierung und Standardisierung prägt die tägliche Arbeit und erfordert kontinuierliche Kultur- und Veränderungsarbeit. Veränderungsprozesse sind dann erfolgreich, wenn die Menschen, ihre Sorgen und ihre Historie einbezogen werden – nur so kann nachhaltige Entwicklung gelingen.

Selbstführung als Basis für Leadership

Ein roter Faden der Folge ist das Thema Selbstführung. Beide sind sich einig: Gute Führung beginnt bei einem selbst. Selbstreflexion, die bewusste Auseinandersetzung mit eigenen Motiven, Emotionen und Handlungsmustern, wird als zentrales Learning hervorgehoben. Führungskräfte müssen lernen, sich in herausfordernden Situationen ihrer eigenen Reize und Reaktionen bewusst zu werden – und sich immer wieder neu anzupassen, gerade in Zeiten, in denen Wandel und Unsicherheit regieren.

Ein besonders einprägsames Beispiel stammt aus dem Sport: Top-Athleten wie Novak Djokovic trainieren intensiv, nicht die Emotionen auszublenden, sondern die Zeit zwischen Reiz und Reaktion zu verkürzen – ein Ansatz, den Carolin Unger und Georg auch Führungskräften ans Herz legen.

Ausblick und Fazit

Zum Abschluss sind sich beide einig: Die Professionalisierung von Führung ist ein kontinuierlicher Prozess. Die Dynamik der aktuellen Zeit – von gesellschaftlichen Veränderungen bis zu technologischen Entwicklungen – erfordert den ständigen Willen zur Reflexion, zum Lernen und zur Anpassung. Wer Führung als persönliche Reise begreift und mit Begeisterung die Potenziale anderer entfalten will, ist auf dem richtigen Weg.

Mit ihrer offenen und praxisnahen Diskussion geben Georg und Carolin Unger vielfältige Impulse, wie Leadership, Unternehmenskultur und Selbstführung im Unternehmensalltag konkret gestaltet werden können – immer mit Blick auf das Spannungsfeld zwischen Bewahren und Erneuern, Mensch und Organisation sowie persönlicher und kultureller Entwicklung.