Über Cihan Büyükari

Cihan Büyükari ist People Lead bei q.beyond – und war früher Sozialarbeiter in Berlin-Neukölln.

Das erklärt wahrscheinlich schon die Hälfte seines Führungsstils. 😉

Sein Weg führte ihn einmal quer durchs System:

von Sozialarbeit über Steuerrecht hin zu Softwareimplementierungsberatung und Projektmanagement

bis in die Personal- und Organisationsentwicklung.

Eine Mischung, die er selbst als „ungeplant sinnvoll“ beschreibt.

Heute beschäftigt er sich mit einer Frage, die überraschend selten gestellt wird:

Warum packen Unternehmen alles auf eine Führungskraft – und wundern sich dann, dass niemand mehr atmen kann?

 

Er ist überzeugt:

Die Zukunft gehört geteilter Führung, mehr Wirksamkeit und weniger Hero-Mythos.

Und er spricht darüber mit der Gelassenheit eines Menschen, der schon deutlich chaotischere Systeme begleitet hat.

Über die Episode

In dieser spannenden Folge von CULTiTALK begrüßt Georg Wolfgang seinen Gast Cihan Büyükari, der als People Lead bei der q.beyond AG arbeitet. Das Gespräch dreht sich um innovative Führungsmodelle, den Unterschied zwischen klassischer und geteilter Führung und um die wertvollen Einflüsse seiner Zeit als Sozialarbeiter auf Cihan Büyükaris heutige Führungspraxis.

Wer ist Cihan Büyükari?

Cihan Büyükari erzählt zu Beginn von seinem recht ungewöhnlichen und abwechslungsreichen Werdegang. Nach dem Abitur 2007 startete er als Sozialarbeiter in Berlin-Neukölln und entwickelte sich dann querbeet weiter: Über die Beratung bei Ernst & Young, die technische Seite in der Softwareberatung, Projektleitung und später als Verantwortlicher für Personal- und Organisationsentwicklung in verschiedenen Unternehmen, insbesondere im FinTech-Sektor. Heute ist er People Lead bei der q.beyond AG, einem Unternehmen, das besonders durch eigene Rechenzentren, IT-Infrastruktur und KI-Lösungen für den deutschen Mittelstand große Bedeutung hat.

Was seinen Lebensweg und seine Arbeit besonders prägt: Er ist nicht klassisch-linear, sondern von vielen Wechseln und bewussten Richtungsänderungen geprägt – immer getrieben von dem Wunsch, Menschen und Organisationen nachhaltig zu unterstützen und aktiv zu begleiten.

q.beyond AG und der People Lead-Ansatz

Ein zentraler Fokus dieser Folge liegt auf dem spezifischen Führungsmodell der q.beyond AG: Shared Leadership bzw. Co-Leadership. Während es in vielen Unternehmen üblich ist, dass eine Führungskraft alles abdeckt – von Personalentwicklung über Strategie bis hin zu operativen Themen und Fachverantwortung –, trennt q.beyond diese Aufgaben bewusst auf.

Cihan Büyükari ist in seiner Rolle für den menschlichen Teil verantwortlich: Er führt disziplinarisch ein 25-köpfiges Team und konzentriert sich auf Personalentwicklung, Teamkultur und alles, was die Menschen in ihrer Entwicklung und im Arbeitsalltag brauchen. Seine Kollegin Nicole – explizit immer wieder erwähnt und wertgeschätzt – verantwortet die strategische, inhaltliche und fachliche Führung und entwickelt das Produkt- und Serviceportfolio weiter.

Diese bewusste Trennung schafft viele Vorteile:

  • Die Führungskräfte können sich auf das konzentrieren, was sie wirklich gut können und wofür sie brennen.
  • Fachliche Rollen müssen sich nicht mehr mit den oft als belastend empfundenen „People-Aufgaben“ beschäftigen und können sich tief auf ihre Expertise fokussieren.
  • Die Führung im menschlichen Bereich bekommt sichtbar mehr Raum, Professionalität und Wertigkeit.

Dabei betont Cihan, dass seine Führungsrolle keine klassische HR-Funktion ist, sondern integraler, naher Teil der jeweiligen Fachabteilung. Genau das sorgt für Akzeptanz und Relevanz im Team.

Shared Leadership in der Praxis: Chancen und Stolperfallen

Georg und Cihan tauchen tief in verschiedene Facetten geteilter Führung ein.

Der vielleicht größte Gewinn dieses Ansatzes: Die Führungsarbeit wird nicht mehr „nebenher“ gemacht, sondern ist Hauptfokus – insbesondere für den People Lead. So kann sich Cihan auf klassische Führungsaufgaben wie Konfliktklärung, Feedbackprozesse, Team- und Personalentwicklung oder Schnittstellenarbeit konzentrieren, ohne im täglichen Hamsterrad des Operativen unterzugehen. Er lebt das idealtypische Prinzip: Führung ist ein Beruf, kein Nebenschauplatz oder „on top“-Job.

Zugleich macht das Gespräch klar, wie kollaborativ und kommunikativ Shared Leadership gelebt wird. Regelmäßige One-on-One-Meetings, gegenseitige Abstimmung, voneinander lernen und bei schwierigen Themen effektiv an einem Strang ziehen sind zentrale Bestandteile. Dieses Rollenmodell erfordert viel Beziehungsarbeit, gegenseitigen Respekt und einen offenen Umgang mit Fehlern und Rückmeldungen.

Doch Cihan verschweigt auch die Herausforderungen nicht: Entscheidend ist, dass die Rollen klar sind und sich die Zusammenarbeit einspielt. Zu viel Heterogenität in den Zuständigkeiten, zu große Verteilung über Zeitzonen oder zu wenig Brücke zum operativen Geschäft können das Modell infrage stellen. Auch die Gefahr, sich zu weit von Businesszielen zu entfernen und eine „Schatten-HR“ zu etablieren, ist real – wenn nicht konsequent auf enge Verzahnung aller beteiligten Bereiche geachtet wird.

Ein wichtiger Punkt ist auch, dass ein solches Modell nur funktioniert, wenn es strategisch und kulturell gewollt ist. Kommt unternehmerischer Druck auf, werden oft zuerst die Bereiche gestrichen, die nicht direkt auf Produktivität und Umsatz einzahlen – auch wenn sie mittel- und langfristig entscheidend für Entwicklung, Loyalität und Erfolg sind.

Systemischer Blick, Führungsalltag und die Übersetzung von Change

Ein besonders wichtiger Aspekt: Im Shared Leadership-Modell kann und muss der People Lead als Brücke und Übersetzer agieren. Veränderungen aus Strategie und Organisationsentwicklung werden so nicht zu unverständlichen Vorgaben, sondern in konkrete, team- und menschengerechte Formen übersetzt. Cihan sieht sich als Schnittstelle zwischen HR, Fachabteilung und Geschäftsführung und kann durch seine systemische Sichtweise gezielt Prozesse und Themen reflektieren.

Dadurch ist es möglich, auch komplexe cross-funktionale Themen und Schnittstellen gezielt anzugehen, sie zu klären und Potenziale zu heben – eine Aufgabe, die in vielen Unternehmen zwischen den Verantwortlichkeiten verloren geht.

Das alles benötigt Ressourcen und Zeit – gerade das ist in Unternehmen mit klassischer Führung oft ein Engpass. Cihan Büyükari und Georg Wolfgang sind sich einig: „Am Ende macht es den Unterschied zwischen Führung, die wirklich entwickelt, und Führung, die nur verwaltet.“

Haltung, Potenzialentfaltung und das Unterschätzte der „weichen“ Faktoren

Ein zentrales Thema durchzieht die Episode: Haltung. Viele Methoden und Tools wirken nur, wenn dahinter authentische Werte, Glaubwürdigkeit und echte Überzeugung stehen. Gerade in der aktuellen Zeit, in der sich viele Organisationen zwischen alten und neuen Führungsmodellen, Homeoffice und Präsenzzwang, Agilisierung und Command-and-Control bewegen, entscheidet vor allem die innere Haltung und Konsequenz der Führungsspitzen darüber, wie erfolgreich und resilient Unternehmen tatsächlich sind.

Cihan und Georg diskutieren offen, wie oft unternehmerische Weiterentwicklung an dieser Stelle ins Stocken gerät oder bei wirtschaftlichem Druck zurückgebaut wird – und wie frustrierend es ist, wenn Führung, Kultur und People Development nur als Dekoration betrachtet werden, anstatt als zentrale Erfolgssäule.

Rückschlüsse aus der Sozialarbeit: Was Führung heute lernen kann

Am Ende nehmen sich die beiden Zeit, einen besonders spannenden Bogen zu schlagen: Was kann Unternehmensführung aus der Sozialarbeit lernen? Hier berichtet Cihan aus seiner Zeit als Einzelfallhelfer und wie sie seine Sicht auf Führung geprägt hat. Es sind vor allem drei Punkte:

  1. Ressourcenorientiertes Arbeiten: Statt ständig auf Schwächen zu schauen, liegt der Fokus darauf, die (oft im Verborgenen liegenden) Stärken bei Menschen zu entdecken und gezielt zu fördern. „Stärken stärken“ – ein Ansatz, der im Businesskontext viel zu selten so konsequent gelebt wird.
  2. Weniger ist mehr: Lieber ein Ziel wirklich erreichen, als fünfzehn anzureißen und keines dauerhaft zu verwirklichen – eine Erkenntnis, die aus der Arbeit mit Menschen in schwierigen Lebensumständen stammt und die im Führungsalltag oft untergeht.
  3. Selbstwirksamkeit und Hilfe zur Selbsthilfe: Die wichtigste Aufgabe von Führung (wie von Sozialarbeit) ist es, sich selbst überflüssig zu machen. Echte Personal- und Teamentwicklung zielt darauf, dass Mitarbeitende und Teams unabhängig, selbstorganisiert und eigenverantwortlich agieren können – ein Anspruch, der moderne Führung prägen sollte.

Nicht zuletzt: Echtes Interesse, Empathie, Zuhören und die Bereitschaft, Fehler einzugestehen und immer wieder neu zu lernen, prägen den Alltag von Cihan Büyükari – und machen ihn zu einem überzeugten Botschafter für einen neuen, menschenzentrierten Führungsstil.

Fazit der Folge

Diese Episode gibt einen intensiven, tiefgründigen und immer wieder persönlichen Einblick in die Herausforderungen und Chancen moderner Führung jenseits klassischer Hierarchien. Sie zeigt, wie sehr Haltung, systemisches Denken und die Brücke zwischen fachlicher und „People“-Perspektive den Unterschied ausmachen können – und warum neue Führungsmodelle wie Shared- bzw. Co-Leadership weit mehr sind als schicker Methodentrend, sondern eine Antwort auf die wachsende Komplexität, Dynamik und Anforderungen unserer Zeit.

Der Transfer aus der Sozialarbeit, die Wertschätzung und der Fokus auf die Entwicklung von Menschen als Schlüssel für Unternehmenserfolg, ziehen sich als roter Faden durch diese rundum inspirierende und praxisnahe Folge vom CULTiTALK.

Am Ende bleibt ein Appell an Unternehmen und Führungskräfte, mutig zu reflektieren, den eigenen Haltungskompass immer wieder zu prüfen – und Führungsarbeit konsequent als eigene Disziplin und Beruf ernst zu nehmen.

Ein ganz besonderer Dank gilt Cihan Büyükari für seine Offenheit und den Blick hinter die Kulissen, und natürlich an alle, die Lust haben, Leadership neu – und menschlicher – zu denken!

Alle Links zu Cihan Büyükari:

LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/cihan-buyukari/

Unternehmen: https://www.qbeyond.de