Über Florian Kurz
Florian Kurz ist Founder, Director und Creative Leader von flows.wöd®, ein integrales Bildungs- & Forschungsinstitut in München für holistisch nachhaltige Unternehmensführung. Herr Kurz ist selbstständiger Coach und Trainer mit dem Fokus auf Ressourcenorientierung, hält als Hochschuldozent seit über 18 Jahren Lehraufträge an der FH Salzburg, an der IREBS Immobilienakademie der Universität Regensburg, an der Technischen Hochschule Ingolstadt sowie an der FH Oberösterreich. Darüber hinaus ist er als Trainer an der LIMAK Austrian Business School tätig. Herr Kurz hat über 20 Jahre Projekt- und Nachhaltigkeitserfahrung als Sustainability Consultant bei interdisziplinären Beratungs- und
Forschungsunternehmen im deutschsprachigen Raum sowie in California und Colorado USA gesammelt.
Zu seinen natürlichen Stärken und Talenten zählen Intuition, Kreativität, seine Andersartigkeit und Feinfühlung, sein außergewöhnlicher Zugang zu seinen Mitmenschen, sein empathisch provokatives Wesen sowie von Kindesbeinen an seine tiefe Liebe und Verbundenheit zur Natur.
Über die Episode
Im Mittelpunkt dieser Folge stehen Georg Wolfgang, Host des CULTiTALK und sein Gast Florian Kurz. Florian ist Founder, Director und Creative Leader des biomimetischen Bildungs- und Forschungsinstituts flows.wöd® • sustainful® institute in München. Beide bringen ihre Expertise und Erfahrungen aus den Bereichen Unternehmenskultur, Leadership, Nachhaltigkeit und Persönlichkeitsentwicklung ein.
Einstieg und Kontext
Zu Beginn erinnert sich Georg an das Positive Leadership Forum und den gemeinsamen Kontaktpunkt über Veranstaltungen im Bereich Positive Leadership. Das Gespräch setzt bewusst im Kontext der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen an: Gute Führung ist die Basis für erfolgreiche Unternehmen und eine tragfähige Gesellschaft – und eben diese Führung muss heute neu gedacht werden. Ein zentrales Motiv der Folge ist die Frage, wie Leadership und Nachhaltigkeit zusammen gedacht werden können.
Florian führt ein in die Entstehungsgeschichte von flows.wöd® • sustainful® institute, das sich konsequent an natürlichen Prinzipien (Biomimetik/Biomimicry) orientiert. Der Grundgedanke: Die Natur ist seit Jahrmillionen ein funktionierendes, resilientes Ökosystem. Unternehmen und Führung können von diesen Prozessen lernen und diese auf moderne Strukturen übertragen.
Naturverbundenheit als Leadership-Haltung
Florian beschreibt ausführlich seine eigene Naturverbundenheit, von einer Kindheit in Österreich bis hin zu aktuellen Routinen wie Eisbaden und Campen in den Salzburger Wäldern. Diese intensive Verbindung zur Natur hat seine Sicht auf Unternehmensführung und Persönlichkeitsentwicklung geprägt.
Authentisches, nachhaltiges Leadership sieht Florian als etwas, das nicht losgelöst von der natürlichen Umwelt existiert, sondern sie aktiv einbezieht. Besonders im Leadership ist für ihn das Reflektieren, Spüren und In-Kontakt-Kommen mit sich selbst und der Umwelt ein Schlüssel. Das Fundament einer nachhaltigen Führungs- und Unternehmenskultur ist für ihn eine ressourcenorientierte Haltung, die ins tägliche Handeln integriert wird.
Nachhaltigkeit und Unternehmen: Feigenblatt oder echtes Anliegen?
Ein zentrales Thema des Gesprächs: Wie ehrlich und überzeugend gehen Unternehmen eigentlich mit Nachhaltigkeit um? Die Podcast-Gesprächspartner erleben, wie oft Nachhaltigkeit als Etikett oder Imagefaktor genutzt wird – Stichwort „Aufkleber am Eingang“, Zertifizierungen und schicke Leitbilder.
Florian schildert anschaulich aus seiner Auditorentätigkeit die Realität – Zielsetzungen und Standards zu nachhaltigem Bauen werden oft nur formal erfüllt, für den Imageeffekt, ohne echten inneren Wandel. Es wird über Minimalaufwand verhandelt – gleichzeitig wollen Unternehmen höchste Auszeichnungen (z.B. Gold/Platin-Standard) und betreiben aufwändige Kommunikation nach außen, ohne die Haltung dahinter zu verändern. Mülltrennung im täglichen Betrieb wird als „Hochkomplexes Thema“ verhandelt und dient als Beispiel dafür, wie sehr sich Einstellung und Verhalten oft unterscheiden.
Ambition vs. Konsequenz: Was willst Du wirklich verändern?
Hier biegen die beiden auf die Grundfrage jeder echten Transformation ein. Georg beschreibt, wie in Unternehmen oftmals hohe Ziele verabschiedet werden – egal ob nachhaltige kulturelle Veränderung oder Positive Leadership – die dann aber nicht in konsequentes, alltägliches Verhalten und Investitionen übersetzt werden.
Beispiel Führung: Der Ruf nach wertschätzender Kultur ist schnell formuliert, doch die zugrunde liegenden Strukturen und Glaubenssätze verhindern die Umsetzung, solange Konsequenzen und Investitionsbereitschaft fehlen. Hier empfehlen beide, spezifisch und ehrlich zu hinterfragen, wie ambitioniert Ziele gesetzt werden und welche Schritte das Unternehmen wirklich bereit ist zu gehen. Lieber kleine, konsequente Schritte als große, ambitionierte, aber leere Versprechen.
Haltungserweiterung statt Modetrend: Der Mindshift als Kern
Florian bringt die Haltungserweiterung als Kernthema ins Spiel. Positive Leadership, das ressourcenorientierte Führen, setzt eine grundlegende Haltung voraus: ein offenes, entwicklungsbereites Mindset. „Wenn Wirtschaft und Unternehmen schwächeln, muss die neue Haltung bestehen bleiben – nicht nur bei Schönwetter“.
Als Orientierungsmodell verwendet flows.wöd® • sustainful® institute die sechs Haltungen nach Martin Permantier. Diese machen Entwicklung und Reife von Unternehmenskulturen besprechbar und sichtbar. Eine zentrale Pointe: Die Erweiterung der eigenen Haltung bedeutet nicht, alte Muster komplett zu verlassen, sondern flexibel und reflektiert auf verschiedene Ebenen zugreifen zu können.
Hier fließen zentrale Fragen ein: Woher kommt meine Offenheit für Neues? Wie wirken innere Überzeugungen und Glaubenssätze, die wir oftmals seit der Kindheit erworben haben? Es geht um Loslassen, Mut und auch Schmerz – denn echte Nachhaltigkeit und kulturelle Transformation passieren erst, wenn es „weh tut“ und altbekannte Muster hinterfragt werden müssen.
Besprechbar machen: Glaubenssätze prägen Haltung
Was hält Menschen und Unternehmen zurück? Georg und Florian sprechen praxisnah darüber, wie Glaubenssätze im Alltag wirken und den Mindshift behindern können – z.B. die Überzeugung „Ich kann nicht zeichnen“ aus der Schule, die dann lebenslang das Verhalten beeinflusst.
Solche Sätze sind im Kulturwandel oft unsichtbar, bleiben aber mächtig. Ein entscheidender Hebel ist daher die kollektive Reflexion: Woher kommen unsere Regeln, unser Führungsverständnis, warum hat sich ein bestimmter Führungsstil etabliert? Das respektvolle, ehrliche Hinterfragen dieser Muster und der offene Umgang damit machen nachhaltigen Wandel erst möglich.
Entscheidungen und Konsequenzen: Wer sich nicht wandelt, geht
Hier setzen beide Hosts auf Klarheit und Verantwortung: Ein echtes Haltungsseminar, eine echte Leadership-Transformation ist radikal und betrifft das gesamte Unternehmen. Konsequenzen gehören dazu: Menschen verlassen das Unternehmen, wenn sie sich mit den neuen Werten nicht identifizieren möchten – und das ist gut so. Transparenz, Ehrlichkeit und Konsequenz werden in den Prozessen gefordert.
Eine Weggabel für jede Organisation: Entweder man entscheidet sich als Unternehmen klar und kommuniziert auch deutlich, dass die Haltungserweiterung nicht verhandelbar ist – oder man bleibt bewusst beim Status Quo und lebt damit. Alles andere bleibt unglaubwürdig und bringt Frust für alle Seiten.
Vom Menschen zum System: Die Vision eines Sustainful Leadership
Am Ende der Folge zoomt das Gespräch auf die System-Perspektive: Wo ist der Unterschied zwischen klassischem positiven Leadership und dem holistischen Ansatz von flows.wöd® • sustainful® institute? Florian beschreibt, dass die meisten Leadership-Modelle stark menschenbezogen („menschzentriert“) sind – für den Ansatz von Sustainful Leadership greift das zu kurz.
Das holistische Modell betrachtet neben den Menschen im Unternehmen auch:
- Mitwelt (bewusst nicht Umwelt)
- Tierwelt
- Ökosysteme, in die Unternehmen eingebettet sind
Die Vision: Unternehmen agieren so, dass sie dem Gesamtsystem zurückgeben – also nicht verbrauchen und zerstören, sondern als „Multiplikatoren für das Gute“ wirken, indem Ressourcen regeneriert und Energien zurückgegeben werden.
Nur mit diesem Blick auf das große Ganze – über die eigenen Mauern, Stakeholder und Lieferketten hinaus – können Organisationen zu wirklich nachhaltigen Impulsgebern für Gesellschaft und Planeten werden.
Flourishing für alle
Was bleibt? Ein Appell, die Themen ernst zu nehmen, Visionen zu haben – und trotzdem im Alltag kleine, konsequente Schritte zu gehen. Nachhaltigkeit, ob in Bezug auf Umwelt, Haltung, Führung oder Organisationsentwicklung, ist nie Projekt, sondern ein stetiger Prozess.
Fazit
- Nachhaltigkeit ist kein Zertifikat oder Marketingtrend, sondern fängt beim individuellen und unternehmerischen Mindset an – und tut manchmal weh.
- Haltungserweiterung und echter Kulturwandel sind radikale, konsequente und oft auch schmerzhafte Prozesse. Sie müssen gewollt, gelebt und im Alltag erarbeitet werden.
- Unternehmen sind Teil größerer Kreisläufe. Menschzentrierung allein reicht nicht; die Mitwelt und das Ökosystem müssen in Führungsmodelle und -praxis integriert werden.
- Konsequentes, holistisches Leadership bedeutet, sowohl die kleinen Schritte als auch die große Vision im Blick zu behalten – und notfalls auch unbequeme Konsequenzen zu ziehen.
„Flourishing ist möglich – für Mensch, Tier und Natur.“ Ein schöner Abschluss und Einladung, echte Haltung zu zeigen und Unternehmen als positive Player in den großen Kreisläufen dieser Welt zu begreifen.
Alle Links zu Florian Kurz:
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/florian-kurz-02535038/
Unternehmen: https://www.sustainful.ooo/