Über Christin Mey
Christin ist zertifizierte Unternehmenstrainerin und Coach für Fach- und Führungskräfte. Mit Arbeitserfahrung aus 7 Ländern bringt Christin eine internationale Perspektive. Sie forscht an der Europäischen Wirtschaftshochschule ESCP Berlin zum Thema Wohlbefinden und Resilienzfähigkeit im Arbeitskontext. Darüber hinaus arbeitet sie im Rahmen eines EU-geförderten Forschungsprojekts in der Führungskräfteentwicklung – eine Kooperation von 5 Universitäten, mit dem Ziel, die Wirksamkeit von Coaching wissenschaftlich zu untersuchen. Auf Einladung Martin Seligmans, dem Begründer der Positiven Psychologie, war Sie Gastforscherin am renommierten Positive Psychology Center der Ivy-League-Universität UPenn. Ihre Arbeit präsentiert sie auf internationalen und europäischen Konferenzen für Positive Psychologie (IPPA; ECPP) sowie bei der Academy of Management.
Über die Episode
Christin lebt mit ihrer Familie in Berlin und ist als Forscherin und Speakerin für Positive Psychologie und Leadership in ganz Europa aktiv. Nach Jahren an internationalen Universitäten hat sie sich auf das Thema Wellbeing und Stärkenforschung spezialisiert. Ihr Lebenslauf ist voller Stationen und Perspektivenwechsel – jede bringt andere Facetten in ihre Arbeit und ihre Haltung zu Menschen und Teams.
Grenzen setzen und Glaubwürdigkeit
Direkt zu Beginn wird klar: Hier geht es nicht um Selbstoptimierung, sondern um echte Lebendigkeit. Christin erzählt offen, warum sie anfangs eine Einladung zum Podcast ausgeschlagen hat: Zeit, Ressourcen und die eigene Authentizität sind ihr wichtiger als ein weiteres “Ja” auf der To-do-Liste. Ihre Devise: Was sie erforscht und lehrt, will sie auch selbst leben – Ehrlichkeit und Grenzen setzen gehören dazu.
On Top Culture, Überforderung & Potenzial
Wir beleuchten die “On Top Culture” nach Corona: Teams packen immer mehr Aufgaben obendrauf, niemand fragt, was dafür weggelassen wird. Christin erklärt das Demand-Resource-Modell: Nur wer bewusst ausbalanciert, kann langfristig Leistung bringen und Potenziale heben. Sie betont: Das eigene Wohlbefinden ist nicht Luxus, sondern Basis für Erfolg und Innovation.
Präsenz und Stärken im Team
Echtes Wachstum und gute Arbeit passieren, wenn Menschen präsent sind. Das bedeutet: Zeit für Fokus, aber auch Zeit für Ruhephasen. Auch Meetings profitieren davon, weniger “Noise” und mehr echten Input zuzulassen; manchmal reicht es, miteinander zu sprechen ohne Agenda, um Vertrauen aufzubauen und kreativ zu werden.
Stärkenorientierung ist für Christin ein zentrales Thema: Es genügt nicht, Stärken zu kennen – sie müssen aktiv in Alltag und Beruf eingesetzt werden. Das eröffnet ungeahnte Möglichkeiten zur Entwicklung und Motivation.
Verletzlichkeit, Motivation und Storytelling
Ein Kernpunkt des Gesprächs ist der ehrliche Umgang mit Fehlern, Niederlagen und schwierigen Erfahrungen – nicht nur im Team, auch persönlich. Christin berichtet eindrucksvoll, wie ihre eigene Lebensgeschichte – auch mit Verlusten – ihr Handeln prägt. Verletzlichkeit wird so zum Motor für eine Kultur der Verbundenheit und des Lernens im Unternehmen.
Resilienz ohne Märchen
Resilienz bedeutet nicht, immer stärker aus jeder Krise hervorzugehen. Christin räumt mit dem Mythos der “grenzenlosen Widerstandsfähigkeit” auf und plädiert für einen differenzierten, realistischen Umgang mit Rückschlägen und Fortschritten. Auch Glückserfahrungen können Wachstum fördern, nicht nur Leid.
Psychologische Sicherheit, Fehler und Kulturwandel
Produktivität entsteht nicht durch Perfektionismus, sondern durch psychologische Sicherheit: Mut zum Ausprobieren, offen über Fehler sprechen, Unterstützung statt Schuldzuweisung. Teams und ganze Organisationen brauchen Strukturen und Routinen, die diese Offenheit möglich machen. Verantwortung liegt dabei immer auch im Team selbst, nicht nur “oben”.
Rituale, Mini-Hacks & Alltagstransfer
Um Impulse aus Events oder Workshops in den Arbeitsalltag zu bringen, setzt Christin auf feste Routinen und kleine Reminder: ein Poster im Meetingraum, regelmäßige Reflexion, positive Rituale wie das “5-zu-1-Ratio” (5 positive auf 1 negative Interaktion). Diese Routinen müssen beständig angepasst werden, um wirksam zu bleiben.
Frauen, Perfektionismus und Mut zum Unperfekten
Gerade Frauen sind oft von Perfektionismus und Risikovermeidung geprägt. Christin nutzt Methoden wie Improvisationstheater, um Mut zur Unperfektheit zu fördern und Risikobereitschaft zu stärken. Sichtbare Fehler normalisieren – das hilft nicht nur Frauen, sondern allen im Team.
Fazit: Einladung zur Authentizität
Diese Folge leuchtet das Thema Positive Psychologie aus einer ungewöhnlich ehrlichen und relevanten Perspektive aus. Christin bringt Forschung, Alltagsbeispiele und persönliche Geschichten zusammen und zeigt damit:
Produktivität und Wohlbefinden gehören zusammen
Verletzlichkeit ist der Schlüssel für echte Verbundenheit und Innovation
Psychologische Sicherheit ist essentiell für Teamkultur und Erfolg
Routinen, kleine Rituale und bewusstes Storytelling helfen, Wandel zu verankern
Wer Positive Psychologie in der Tiefe verstehen und ins eigene Leben oder Team bringen möchte, findet in dieser Folge Inspiration, Anstöße – und jede Menge Mut, weniger perfekt, aber dafür menschlicher zu sein.
Alle Links zu Christin Mey:
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/hey-christin-mey/
Unternehmen: https://www.paradox-thinking.org/