Über Kristina Muth
Kristina Muth versteht sich als Tourguide in den Bergen der Transformation. Als Expertin für innovative Strategiearbeit, Businesscoach, Workshopprofi & Mut(h)macherin geht sie mit ihren Kunden neue Wege. Sie steht ihnen sicher und zuverlässig zur Seite, besonders wenn deren Batterien ziemlich leer sind. Manchmal braucht es den Blick von außen, um wieder Klarheit, Struktur und Ruhe zu finden in Zeiten einer Transformation. Aus vielen Jahren eigener Erfahrung in Großkonzernen und Mittelständlern kennt sie sich aus. Sie begegnet als Tourguide sämtlichen Höhen und Tiefen der Transformation mit Souveränität, tiefer Fachkenntnis und immer dem passenden Equipment im Gepäck.
Über diese Folge
In der neuesten CULTiTALK-Episode führt Georg ein spannendes und tiefgründiges Gespräch mit Kristina Muth, Expertin für Innovation, Transformation, Sparringspartnerin, Executive Coach sowie Keynote-Speakerin. Im Fokus steht vor allem der Umgang mit Fehlern in Organisationen, moderne Führungsansätze und das zukunftsweisende Konzept der Exnovation.
Einführung und Vorstellung
Gleich zu Beginn erklärt Georg, warum er Kristina eingeladen hat: Beide kennen sich wegen des anstehenden Corporate Culture Jam in Offenbach, bei dem Kristina als Speakerin auftritt. Ihr Vortrag dort behandelt das Zusammenspiel von Führung, Künstlicher Intelligenz und Unternehmenskultur. Georg stellt Kristina als erfahrene Beraterin vor, die Unternehmen auf dem Weg durch Transformations- und Innovationsprozesse aktiv begleitet – mit besonderem Schwerpunkt auf den oft unterschätzten Wert des Scheiterns und Lernens aus Fehlern.
Fehlerkultur: Von Tabu zu Lernchance
Kristina beleuchtet zunächst ihre eigene Entwicklung im Umgang mit Fehlern. Zu Beginn ihrer Karriere galt noch die Maxime, Fehler möglichst unter den Teppich zu kehren. Erst mit dem Wandel der Arbeitswelt und insbesondere durch ihre Erfahrungen im Merck Innovation Center entdeckte sie, wie essentiell ein offener Umgang mit Fehlern für echte Innovation ist. Innovation gelingt nur, wenn Mitarbeitende motiviert sind, Neues auszuprobieren und sich auch mal Fehltritte erlauben dürfen.
Georg ergänzt aus seinen Beobachtungen: Auch wenn viele Unternehmen heute proklamieren, eine konstruktive Fehlerkultur zu haben, bleibt dies oft auf Symbolik beschränkt. Das gesunde Eingeständnis von Fehlern wird nach wie vor häufig durch eine „Blame Game“-Kultur verdrängt, in der lieber andere beschuldigt werden, statt Verantwortung offen zu übernehmen.
Praxis: Fuck Up Nights als Katalysator
Ein anschauliches Praxisbeispiel liefert Kristina mit den von ihr bei Merck ins Leben gerufenen Fuck Up Nights. Anfangs stieß das Konzept selbst auf erhebliche Widerstände – allein das Wort „Fuck“ war für viele Führungskräfte ein No-Go. Doch genau durch das offene Teilen von Fehlern auf der Bühne, auch durch externe Speaker, veränderte sich schrittweise die Unternehmenskultur hin zu mehr Akzeptanz und Offenheit. Kristina untermauert, dass Fehler erst dann als echte Lernchancen wahrgenommen werden, wenn sie in einem sicheren Rahmen ohne Angst vor Abwertung thematisiert werden können.
Mit der Zeit kamen die Protagonist:innen der Fuck Up Nights auch dazu, nicht nur aus der Vergangenheit, sondern explizit aus aktuellen beruflichen Fehltritten zu berichten. Dieser Mut wurde zum Katalysator für kollektiv gelebte Fehler- und Lernkultur.
Transformation geht nur mit Geduld
Das Gespräch macht deutlich: Transformation ist kein Sprint, sondern eher ein Marathon. Kristina unterstreicht, wie wichtig geduldige Begleitung, begleitende Webinare, Working-Out-Loud-Circles und bereichsübergreifende Kooperationen sind, um Reflexion und kontinuierliches Lernen zu fördern. Fortschritt geschieht inkrementell, häufig unsichtbar und braucht Raum zur Entwicklung. Kleine Erfolgsmomente müssen als Meilensteine gewürdigt werden, auch wenn sie von Außenstehenden nicht sofort als solche erkannt werden.
Differenzierte Fehlerkultur und Macht
Kristina und Georg beleuchten, dass Fehlerkultur differenziert betrachtet werden muss. Gerade in regulierten Branchen wie Pharma gibt es Bereiche, in denen Fehler keine Option sind – etwa bei der Produktion sicherheitsrelevanter Güter. Gleichzeitig muss in Innovationsbereichen die Angst vor Fehlern gezielt überwunden werden. Wichtig ist hier die innere Klarheit der Führungskraft: Wer offene Diskussionen zulässt und Fehler als Entwicklungschance kommuniziert, schafft Vertrauen und ermöglicht Weiterentwicklung.
Exnovation: Platz für Neues schaffen
Ein Highlight der Folge ist die Vertiefung des Begriffs „Exnovation“. Kristina erklärt, dass Organisationen, die kontinuierlich auf Innovation setzen, irgendwann an den Punkt kommen, an dem sie sich von überholten Projekten, Prozessen oder Haltungen trennen müssen, um Handlungsfreiheit für wirklich Relevantes zu gewinnen. Exnovation bedeutet, kritisch zu prüfen, was noch zukunftsfähig ist und was mutig losgelassen werden sollte – nicht abwertend, sondern wertschätzend und bewusst. Georg verknüpft diesen Ansatz mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zum „Subtraction Bias“: Menschen tun sich oft schwer damit, Dinge wegzulassen, weil sie instinktiv eher auf Addition setzen.
Führung, Macht und kultureller Wandel
Das Gespräch kehrt immer wieder zurück zur Rolle der Führungskraft. Führung wird heute neu gedacht: Weg von der Machtdistanz hin zu mehr Augenhöhe, Eigenverantwortung und situativem Einfordern von Klarheit. Beide diskutieren ehrlich, dass das Auflösen alter Muster immer auch Mut und Kontinuität erfordert – beim Loslassen überflüssiger Praktiken wie auch beim Aushandeln neuer Rollenerwartungen. Dennoch bleibt die Machtdistanz, etwa durch Budget- oder Personalverantwortung, relevant, muss jedoch bewusst und transparent gehandhabt werden.
Ausblick
Zum Abschluss der Folge sind sich Georg und Kristina einig: Transformation, Fehlerkultur und Exnovation sind kein einmaliger Akt, sondern Bestandteil stetigen Lernens. Für echte Kulturwandel braucht es mutige Führung, eine sichere Kommunikationskultur und die Bereitschaft, Altes loszulassen, um Platz für Neues zu schaffen – und das immer wieder aufs Neue.
Mit viel persönlicher Erfahrung und humorvoller Offenheit liefern Georg und Kristina in dieser Folge Inspiration, Reflexionsanstöße und konkrete Impulse für all jene, die Transformation in Organisationen aktiv begleiten oder selbst erleben.
Alle Links zu Kristina Muth:
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/kristina-muth/
Unternehmen: www.kristinamuth.de